Welche deutschen Tierparks sind nachhaltig?

Erfahrungsbericht Affenberg Salem

Michi besucht Tierparks? Puh, ja auch ich musste vor allem im Rahmen meiner Ausbildung im Bereich Primatologie, Wildtiermanagement und Zoologie mein „inneres Kriegsbeil“ mit Tierparks begraben.

Nicht, dass ich gleich vorab alle verdammt hätte, aber ich war – und bin – der Haltung von Tieren gegenüber nach wie vor skeptisch. Allerdings durfte auch ich erkennen, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist. Häufig lohnt es sich, den Horizont zu erweitern und einfach mal vorbeizuschauen. So viel als Vorwort!
Aus diesem Grund werden Marc und ich nun Affenparks in ganz Deutschland besuchen und anschließend unsere Eindrücke hier im Blog veröffentlichen. Dabei ist es mir wichtig zu sagen, dass all das unsere persönlichen Eindrücke sind.


Berberaffe

Und was hat uns besonders gut gefallen?

1.    Der Park ist sehr modern, sauber und anschaulich. Noch bevor man das Affengehege betritt, wird eine kurze Animation abgespielt, die Kindern und Erwachsenen erklärt, was man im Gehege der Affen tun darf und was zu unterlassen ist. Ich persönlich finde die Idee super. Denn sind wir mal ehrlich: Ein Film für Kinder – und vielleicht auch für Erwachsene – ist doch viel toller als eine Tafel mit Regeln!


2.    Danach ging es in das Gehege. Hier stehen eine Vielzahl von Parkhelfern bereit, die nicht nur darauf achten, dass die Regeln eingehalten werden, sondern auch bei Fragen zur Verfügung stehen.
Leider war es hier so, dass uns manche Mitarbeiter auch falsche Informationen gegeben haben. Dies betraf nicht nur Fachwissen über die Affen, sondern auch die Mission und Arbeit des Parks sowie allgemeine Informationen. Das ist schade! Umso schöner war es, dass es auch Guides gab, die mit bestem Wissen ausgestattet waren.


3.    Die Gehege selbst sind ein Traum für die Tiere! Und das nicht nur bezüglich der Größe, der Bewaldung und des Rückzugsraums. Auf ein stressfreies Leben in allen Bereichen wird hier geachtet. So werden die Tiere von klein auf an sogenannte Fanggehege gewöhnt, die das Einfangen für Impfungen und Kennungen vereinfachen.


4.    Im Gehege selbst und am Ende des Berges findet man eine Vielzahl von anschaulichen und interessant gestalteten Tafeln mit vielen Infos rund um das Verhalten und Zusammenleben der Tiere. Mal wird mit Zeichnungen, mal mit witzigen Zeitungsartikeln überzeugt. So bleibt das Lernen spannend!


5.    Klare Message vor Ort! Überall steht das WARUM des Parks im Vordergrund und die klare Message: Wir setzen uns für den Schutz von Tieren ein! Das finde ich besonders toll!


Und was finden wir verbesserungswürdig?


1.    Wie bereits oben erwähnt gab es seitens der Guides leider einige Falschinformationen, die ohne meine vorherige Recherche über den Park gar nicht aufgefallen wären. Ich finde die Idee der Guides super, allerdings sollten diese bei Nichtwissen an ihre Kollegen verweisen, denn nur die wenigsten Gäste können bei sich widersprechenden Aussagen differenzieren, was nun stimmt und was nicht.


2.    Füttern. Puh, das ist etwas, womit ich mich schwer tue, gerade weil ich die Arbeit mit Affen kenne. Daher ein paar Worte zum allgemeinen Füttern von Affen: Die meisten in Gruppen lebenden Affen leben in einer Hierachie. Sowohl das Paarungs- als auch das Essverhalten sind die signifikantesten Aspekte, um den Rang eines Tieres zu erkennen, denn ein ranghoher Affe würde nie einen rangniederen Affen an sein Essen lassen oder diesem etwas abgegeben. Mit dem Füttern bringt man sich selbst also in eine niedere und damit potentiell angreifbare Position.
Als wir in Salem waren, durfte man die Tiere aufgrund von Corona nicht füttern. Nach Aussagen der Mitarbeiter laufen die Besucher sonst allerdings mit einer Tüte Popcorn durch das Gehege und dürfen die Tiere auf dem gesamten Besucherpfad füttern. Da ich dies nicht erlebt habe, kann ich hier nur auf die Schilderungen des Mitarbeiters eingehen: Ich finde dieses Konzept schwierig, vor allem im Hinblick darauf, dass die Tiere ggf. ausgewildert werden sollen. Denn unterbewusst sind diese daran gewöhnt, vom Menschen gefüttert zu werden, was ihnen in der Freiheit zum Verhängnis werden könnte und für neue Konflikte sorgt. Aus diesem Grund hören die Stationen, in denen ich bisher gearbeitet habe, ab einem bestimmten Alter auf, die Tiere aus der Hand zu füttern, um ihnen dieses Verhalten abzutrainieren. Leider konnte ich zu dieser Frage keine Infos der Mitarbeiter bekommen. Generell empfehle ich, die Tiere bei einem Besuch nicht zu füttern!
Zusatz: Das Popcorn ist laut Aussagen der Mitarbeiter ungesüßt, sodass es sich hier nur um Mais handelt. Daher ist dies absolut unbedenklich, allerdings sollte dies stärker betont werden, da sonst der Eindruck entsteht, man könnte Affen mit Snacks locken.


3.    Und ein kleiner, aber feiner Kritikpunkt am Flyer: Während im Park deutlich darauf hingewiesen wird, dass die Affen nicht berührt werden dürfen und das Rotwild nicht gefüttert werden darf, finden sich im Flyer Bilder, auf denen Kinder Rehe füttern und direkt neben Affen sitzen. Ich weiß, dass solche Bilder Touristen locken, jedoch sollte hier für mehr Klarheit gesorgt werden – so wie es vor Ort der Fall ist.

 

Und was denke ich nun? Könnt Ihr den Park guten Gewissens mit Euren Kids und Freunden besuchen?

Ja, mit Einschränkungen!

Der Park leistet tolle Arbeit, hat eine tolle Vision und ein schönes Konzept. Vor einem Parkbesuch würde ich Euch allerdings empfehlen, Euch über Berberaffen schlau zu machen und die Tafeln unten am Ausgangsbereich zu lesen, sodass ihr schon viele Infos über die Tiere habt, bevor ihr das Gehege betretet. Auch das Füttern im gesamten Bereich würde ich persönlich eher vermeiden – zu Eurem Schutz und dem der Tiere. Ich hoffe, dass Dir der Bericht geholfen hat und wünsche Dir nun viel Freude im Affenberg Salem.