Welche deutschen Tierparks sind nachhaltig?

Erfahrungsbericht Hirsch- und Saupark Daun

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Michi besucht Tierparks?

Puh, ja auch ich musste vor allem im Rahmen meiner Ausbildung im Bereich Primatologie, Wildtiermanagement und Zoologie mein „inneres Kriegsbeil“ mit Tierparks begraben. Nicht, dass ich gleich vorab alle verdammt hätte, aber ich war – und bin – der Haltung von Tieren gegenüber nach wie vor skeptisch. Allerdings durfte auch ich erkennen, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist. Häufig lohnt es sich, den Horizont zu erweitern und einfach mal vorbeizuschauen. So viel als Vorwort!


Aus diesem Grund werden Marc und ich nun Affenparks in ganz Deutschland besuchen und anschließend unsere Eindrücke hier im Blog veröffentlichen. Dabei ist es mir wichtig zu sagen, dass all das unsere persönlichen Eindrücke sind.


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 Unser zweiter Besuch war im Hirsch- und Saupark in Daun. Die Affen wurde in den 90ern aus Gibraltar gefangen und nach Daun gebracht, da es in Gibraltar immer wieder zu Konflikten zwischen Mensch und Tier kam. Denn wie ich immer wieder betone: Affen sind frech und clever und dringen daher vor allem in den Regionen, in denen Touristen die Tiere füttern und anlocken, vermehrt in Häuser ein. Um sich vor den Plünderern zu schützen, wurden mehr und mehr Tiere getötet. Da die Affen jedoch bereits damals bedroht waren, wurden zwei Truppen Berberaffen gefangen und nach Deutschland gebracht. Heute beheimatet der Park knapp 53 Berberaffen in einem sechs Hektar großen Gehege.


Und wie schaut es nun vor Ort aus? Was hat uns gut gefallen?


1.    Noch bevor man zu den Affen ins Gehege geht, gibt es die Möglichkeit, seine Rucksäcke in kostenfreien Schließfächern unterzubringen, sodass die Affen sich nicht über das liebevoll geschmierte Frühstücksbrot in der Tasche hermachen können!
2.    Die Gehege selbst sind ein Traum für die Tiere – nicht nur bezüglich der Größe und der Bewaldung. Auch auf ein stressfreies Leben in allen Bereichen wird hier geachtet. So haben die Tiere genug Raum, um sich zurückzuziehen!
3.    Auch hier werden überall auf die Regeln hingewiesen – Schilder mit Bildern und Guidelines stehen an mehreren Ecken des Parks, sodass man eigentlich nicht daran vorbeigehen kann. Auch für Kinder sind die Bilder gut und direkt verständlich. Zudem werden im Flyer und auf der Homepage nur mit Bildern geworben, die diesen Regeln entsprechen. Das finde ich gut, denn so entstehen keine falschen Eindrücke!
4.    Den Tieren wurde ein sicheres Zuhause geschenkt! Die Affen aus Daun kommen aus Gibraltar und wären ohne die Hilfe des Parks heute vermutlich nicht mehr am Leben, da sie vor Ort als Plage angesehen werden. Damit leistet der Park einen wertvollen Beitrag zum Artenschutz.
5.    Tatsächlich stehe ich dem Füttern in diesem Park sehr viel weniger skeptisch gegenüber als in anderen Parks. Warum? Hier dürfen die Tiere zu ganz bestimmten Zeiten am immer gleichen Ort – der Abschnitt ist sonst nicht für Besucher zugänglich – während den Fütterungen auch von Gästen gefüttert werden. Allerdings wird noch vorher genau erklärt, wie man die Tiere füttern darf – die Nuss auf die flache, ausgestreckte Hand legen – und betont, dass man sich während der Fütterung ruhig zu verhalten hat und Tiere keineswegs gestreichelt werden dürfen. Dann wird unter Aufsicht des anwesenden Parkleiters nach und nach Nüsse verteilt, sodass einer nach dem anderen füttern kann. Der Eimer mit den Nüssen und damit der Hauptangriffspunkt bleibt bei dem Leiter. Diese Art finde ich bisher am besten. Denn sie birgt sehr viel weniger Risiko und Konfliktpotential und ist gut durchdacht, auch wenn ich grundsätzlich kein Freund vom Füttern bin!


Und was finden wir verbesserungswürdig?


1.    Die Gehege und das Gesamtbild könnten tatsächlich etwas moderner sein: Angefangen bei beschädigten Wegbegrenzungen bis hin zu alten Häuschen, die nicht mehr genutzt werden. Das Gehege ist groß und toll, aber an ein paar Ecken könnte man tatsächlich nochmal Hand anlegen.
2.    Es wäre toll, wenn eine Aufsicht im Gehege anwesend wäre, die Fragen beantworten könnte und darauf achtet, dass sich die Besucher wirklich an die Regeln halten. Denn wie so oft sind weniger die Tiere als die Menschen das Problem, denn diese halten sich leider nicht immer an alle Richtlinien!

Und was denke ich nun? Könnt Ihr den Park guten Gewissens mit Euren Kids und Freunden besuchen?
Ja!

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Der Park leistet tolle Arbeit, bietet den Affen ein gutes Zuhause und kann bei Nachfragen sehr kompetent reagieren. Zwar könnte hier und dort etwas investiert und modernisiert werden, sodass die Schilder nicht nur verständlich, sondern auch ansprechend gestaltet sind, oder das Gehege selbst einmal in neuem Glanz erscheint. Doch im Großen und Ganzen sind die Mitarbeiter und der Parkleiter – der uns sehr lange und ausführlich betreut hat – zu empfehlen! Ich hoffe, dass Dir der Bericht geholfen hat und wünsche Dir nun viel Freude im Hirsch- und Saupark Daun.