Warum sollte ich fürs Arbeiten zahlen!

Blogbeitrag zur 9. Folge des Podcasts Affenzrikus.
Babymeerkatze

Wann immer ich anderen erzähle, dass ich seit fünf Jahren nicht einen Cent an der Arbeit mit den Affen verdient habe, schauen sie mich ganz verdutzt an. Aber wenn ich dann noch sage, dass ich sogar seit fünf Jahren dafür zahle, obwohl ich mittlerweile sehr viel Erfahrung und eine Ausbildung in dem Bereich Wildlife Rehabilitation habe, machen sie große, ungläubige Augen.

Aber warum ich von Herzen gern zahle und vor Ort mitarbeite, erkläre ich Dir jetzt!

Gehen wir zuerst einmal davon aus, dass die Stationen freie Unterkünfte und Verpflegung anbieten:

Zuerst einmal reisen wir alle, die helfen wollen, mit der Intention nach Afrika, den Tierschutz zu unterstützen, richtig? Dennoch sind nur die wenigsten mit Wildtieren ausgebildet oder arbeiten im tiermedizinischen Bereich. Und selbst wenn, fehlt den meisten die Erfahrung mit Affen. Das heißt 99% der Volontäre, die mithelfen wollen, sind unqualifiziert und übernehmen die einfachsten Aufgaben. Dennoch bedarf es auch für die Aufzucht, das Vorbereiten von Futter und das korrekte Reinigen der Gehege eine Einarbeitung. Meist braucht man eine Woche, um wirklich eigenständig mitarbeiten zu können. Du siehst also: Selbst wenn Du sehr motiviert bist und helfen möchtest, brauchst Du Zeit, um anzukommen und bist am Anfang erst mal keine große Hilfe. Die meisten Helfer fahren nach bereits zwei Wochen wieder nach Hause, da sie nicht länger frei haben. Wenn die Stationen das Einarbeiten, Deinen Verbrauch und dann Deinen Nutzen gegeneinander aufrechnen, machen sie Minus.

Babymeerkatze

Und dieses Minus hätte viele Folgen: Für die Tiere, die nicht mehr aufgenommen oder versorgt werden können, und die Station, die sich so nicht über Wasser halten kann!

Du siehst, dass viele Tierschutzfarmen es sich einfach nicht leisten können. Sie sind sogar auf Deine finanzielle Mithilfe angewiesen. Immerhin müssen sie nicht nur ganz viele Tiere versorgen, sondern auch sich selbst und das ohne staatliche oder anderweitige Hilfe! Das heißt, wenn Du vor Ort mithelfen möchtest, kommst Du für Dich, die Tiere und die Menschen auf, die ihr Leben für die Tiere geben.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf freue ich mich immer besonders, dass ich nicht nur für mein Essen und meine Unterkunft aufkommen, sondern dass ich die Menschen so ein wenig entlaste und auf allen Ebenen mithelfen darf. Leicht ist das nicht. Immerhin spare ich das ganze Jahr über, um fünf oder sechs Wochen körperlich sehr hart mitarbeiten zu können und verzichte dafür auf Urlaub. Doch für mich hat es einen unglaublichen Wert, Tiere zu schützen und auf allen Ebenen dazu beizutragen, dass wir ein Zeichen für die Natur setzen.

 

 

Daher ist das „Für sich und andere Aufkommen“ ein guter Filter, um zu sehen, ob jemand wirklich helfen möchte oder nur eine tolle Erfahrung mit Tieren sammeln mag, was auch in Ordnung ist. Nur für diesen Menschen ist Freiwilligenarbeit nicht das Richtige. Wer helfen will, wird verstehen, dass man eine Station zum Tierschutz nicht einfach besuchen kann, kostenfrei dort lebt und nach einer Woche abreist. Denn das würde niemandem dienen, außer dem Selbstzweck und der hat im Tierschutz allerletzte Priorität. Also frage Dich: WARUM möchte ich helfen?

Bin ich bereit, auf allen Ebenen mitzuwirken und mich über das normale Maß hinaus zu engagieren?
Wenn ja, dann scheint Freiwilligenarbeit genau Dein Ding zu sein.


Wenn nicht, dann ist es für Dich vielleicht einfach sinnvoller eine Safari oder andere nachhaltige Angebote für Touristen zu besuchen!


Disclaimer: Für alle, die helfen möchten, aber kein Geld haben: Stelle Dir dann bitte nochmal die erste Frage und gehe zurück zum oberen Beispiel: Was wäre, wenn es kostenfrei wäre? Und dann weißt Du, dass Du am meisten hilfst, wenn Du nicht vor Ort aktiv wirst, sondern von Zuhause aus aufklärst, wirbst und den Tierschutz hier förderst!

 

 

Ich kann es nicht oft genug sagen, aber für mich ist die Arbeit als Volontär das größte Geschenk. Egal, ob ich abends im Gehege der Tiere sitze oder davor. Man spürt die Liebe und Dankbarkeit und schläft jeden Abend mit einem Lächeln ein.

 

 

Möchtest Du mehr zu dem Thema erfahren? Dann lass Dich in meinem Podcast Affenzirkus sehr gerne von mir in den afrikanischen Dschungel entführen!

 
Podcast Cover Folge 9